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War's das für Porsche? Der Abstieg einer Ikone
Herzlich willkommen zur 54. Ausgabe von Der Autopreneur!
Diese Woche stand ganz im Zeichen von Porsche. Lange Zeit dachte man, Porsche wäre der Fels in der Brandung. Unantastbar, verschont von der globalen Autokrise.
Das dem nicht so ist, zeigten dann spätestens die 2024er Zahlen. Nun müssen zwei Vorstände gehen - der Finanzchef und der Vertriebsvorstand. Offiziell ein "einvernehmliches Ausscheiden". Doch dahinter steckt viel mehr.
In der heutigen Story zeige ich das Dilemma, in dem sich Porsche befindet. Und was ausgerechnet schon wieder China damit zu tun hat.
🎧 Den begleitenden Podcast zum Newsletter findest du hier.
Das sind die Themen:
👋 Der Fall Porsche: Deshalb müssen zwei Top-Manager gehen
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KI-generiertes Symbolbild
Zwei Top-Manager bei Porsche müssen gehen. Finanzchef Lutz Meschke und Vertriebsvorstand Detlev von Platen verlieren ihre Jobs.
Was ist passiert? Ganz offiziell ist es ein "einvernehmliches Ausscheiden". Doch wenn zwei Vorstände gleichzeitig gehen müssen, muss mehr dahinter stecken.
Die Zahlen zeigen - Porsche hat Probleme:
Absatz ist rückläufig (2024: -3%)
Der wichtigste Markt China bricht um 28% ein
Umsatz sinkt um 5%, das operative Ergebnis bricht um mehr als 25% ein
Die Marge liegt nur noch bei 14-15% statt der anvisierten 20%
Für 2025 wird ein weiterer Rückgang auf 10-12% erwartet
Der Aktienkurs ist seit dem Börsengang im September 2022 um 30% eingebrochen
Besonders kritisch: Bei E-Autos kommt Porsche nicht voran. Der Elektro-Anteil liegt bei 12,6%. Das selbstgesteckte Ziel von 80% E-Autos bis 2030? Längst kassiert.
Der Fall Lutz Meschke
Hier scheint es um mehr zu gehen als Zahlen.
Seit 2022 ist Oliver Blume gleichzeitig Chef von VW und Porsche. Diese Doppelrolle sorgte immer wieder für Kritik. Viele zweifeln, dass er beide Unternehmen parallel führen kann.
In dieser Situation positionierte sich Meschke zu offensiv als möglicher neuer Porsche-CEO.
Der entscheidende Fehler: Im Oktober sprach er sich öffentlich gegen das EU Verbrenner-Verbot aus. Das ist erst mal nichts Besonderes - das fordern ja einige.
Aber damit stellte er sich öffentlich gegen Blumes Strategie. Der hatte sich bewusst neutral gehalten und stark auf E-Mobilität gesetzt.
Einige spekulieren: Dieser Konflikt hat ihn nun den Job gekostet.
Der Fall Detlev von Platen
Auch Vertriebschef von Platen muss gehen. Der Vorwurf: Er hat die Krise in China zu spät erkannt und nicht rechtzeitig gegengesteuert.
Was in China passiert, zeigt ein grundlegendes Problem:
Porsche steckt zwischen zwei völlig unterschiedlichen Märkten fest. Im Verbrenner-Segment ist die Marke eine globale Ikone und gefühlt unantastbar.
Das Problem: Dieser Markt funktioniert zwar noch sehr gut. Aber er schrumpft kontinuierlich.
Und im wachsenden E-Auto-Segment gelten andere Regeln. Das musste Porsche in China schmerzhaft lernen: Es reicht nicht einfach einen "elektrischen Porsche" zu bauen. Die Kunden haben bei E-Autos völlig andere Erwartungen.
Außerdem verkaufen sich hochpreisige E-Autos in China nicht. Dafür ist der Wettbewerb viel zu hart.
Was einen Porsche auszeichnet? Sound, Performance, Emotion, Fahrverhalten. Hängt alles eng am Verbrenner.
Diese DNA in die Elektro-Ära zu übertragen, ist verdammt schwer.
Denn beim E-Auto zählen Dinge wie: Software, KI und Entertainment. Ein Kulturschock. Und ein echtes Dilemma.
Denn Porsche muss auf beiden Hochzeiten tanzen:
Die Luxuskunden, für die Geld keine Rolle spielt? Kaufen weiterhin Verbrenner. Auch in China
Parallel entwickelt sich ein komplett neuer Markt mit neuen Wettbewerbern. Der technologische Fortschritt dort? Gefühlt mit High-Speed
Und irgendwann kommt ein Kipppunkt. An dem der eine Markt im anderen aufgeht. Das kann noch ein paar Jahr dauern. Aber wer dann nicht bereit ist, hat verloren.
Der Smartphone-Hersteller Xiaomi launchte letztes Jahr sein allererstes Auto. Der Marketing-Coup? Das Auto sieht aus wie ein Porsche Taycan. Der Unterschied: Der Xiaomi kostet nur gut 1/4 davon und überzeugt vor allem mit Tech-Features und dem digitalen Ökosystem von Xiaomi. Die Reviews sind überraschend positiv. Und die Bestellungen in China gehen durch die Decke.
Der typische Porsche-Kunde kauft zwar wohl (noch) keinen Xiaomi. Aber es zeigt: Der jahrzehntelang aufgebaute Vorsprung ist im neuen Markt kaum noch etwas wert.
Wie es jetzt weitergeht
Porsche will langfristig weniger Autos bauen. Die Jahresproduktion soll von aktuell 310.000 auf etwa 250.000 Fahrzeuge reduziert werden. Die neue Devise: Weniger Volumen, mehr Profitabilität.
Für die vakanten Positionen sind bereits Nachfolger im Gespräch:
Als Finanzchef: Holger Peters (Skoda) oder Jürgen Rittersberger (Audi)
Für den Vertrieb: Martin Sander (VW) oder Alexander Pollich (Porsche)
Einige rechnen damit, dass Blume noch 2025 seine Doppelrolle aufgibt. Als mögliche Porsche-CEOs werden dann gehandelt:
Klaus Zellmer (Skoda-Chef)
Stefan Weckbach (VW-Strategiechef)
Peter Bosch (CARIAD-Chef)
Die neuen Manager stehen vor einer gewaltigen Aufgabe: Sie müssen die Ikone Porsche neu erfinden. Die Strategie? Den Verbrenner-Markt dominieren, solange es geht. Dafür werden in diesem Jahr 800 Millionen Euro investiert - auch in neue Verbrenner.
Aber gleichzeitig gilt ein elektrisches Angebot aufbauen, das mehr ist als ein "elektrifizierter Porsche". Der Spagat wird nicht einfach.
📊 Aktien-Performance
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Hier die Wochenperformance der wichtigsten Automotive-Werte:
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Woche Δ: Kursveränderung der letzten Woche
YTD Δ: Kursänderung seit Jahresbeginn
🔍 Quick Takes
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🤝 Game Over: Nissan beendet Fusionsgespräche mit Honda
Was im Dezember 2024 als große Vision startete, ist nun gescheitert: Nissan hat die Fusionsgespräche mit Honda beendet. Was ist passiert?
Die wichtigsten Fakten:
Honda wollte Nissan komplett übernehmen und zur Tochtergesellschaft machen
Nissan lehnte dieses "Take it or leave it"-Angebot ab und zog sich aus den Gesprächen zurück
Ursprünglich war eine gemeinsame Holding geplant, bei der beide Partner gleichberechtigt sein sollten
Die Fusion hätte den drittgrößten Autokonzern der Welt geschaffen
Die Gründe für das Scheitern:
Honda war unzufrieden mit Nissans Restrukturierungstempo
Die Bewertung der Unternehmen war strittig (Honda ist aktuell 5x mehr wert als Nissan)
Nissans Management fürchtete den Verlust von Entscheidungsgewalt und Markenidentität
Renault hält 36% Anteil an Nissan - es ist wahrscheinlich dass sie die nicht ohne Prämie abgeben
Was kommt jetzt?
Mitte Februar wird ein offizielles Update erwartet. Die Verkündung des Fusions-Endes scheint wahrscheinlich
Nissan prüft schon jetzt mögliche Alternativen und Partnerschaften
Apple-Zulieferer Foxconn zeigt erneut Interesse. Ex-Nissan Top-Manager Jun Seki leitet dort die EV-Sparte
Nissan muss seinen harten Sparkurs (9.000 Stellenabbau, 20% weniger Produktion) fortsetzen
Mein Take: Die japanische Regierung hatte die Honda-Nissan-Fusion aktiv unterstützt. Vor allem um zu verhindern, dass ein ausländischer Investor wie Foxconn bei Nissan einsteigt. Dass genau diese Option jetzt wieder auf dem Tisch liegt, ist durchaus brisant.
Dabei könnte eine Partnerschaft mit einem Tech-Player wie Foxconn durchaus Sinn ergeben. Der eine bringt jahrzehntelange Erfahrung im Automobilbau mit. Der andere Expertise in Elektronik, Software und skalierbarer Produktion.
🇺🇸 So treffen die Trump Zölle die Autoindustrie
Letzte Woche kündigte Trump weitreichende Zölle an - dann folgte das große Zurückrudern.
Was wurde angekündigt:
25% Zölle auf alle Importe aus Mexiko und Kanada
10% Zölle auf Importe aus China
Drohung weiterer Zölle gegen die EU "sehr bald"
Aktueller Status:
China: 10% Zölle sind in Kraft, China kontert mit moderaten Gegenzöllen auf US-Öl & Gas
Mexiko & Kanada: Zölle für 30 Tage ausgesetzt nach Zugeständnissen
Kanada kündigt 25 % Vergeltungszölle an, in zwei Phasen – später auch auf E-Autos
EU: Bisher nur Ankündigung, keine konkreten Maßnahmen
Die Märkte reagierten heftig:
Autoaktien mit US-Exposure sind ziemlich eingebrochen
Zulieferer besonders stark getroffen (Zwischenzeitlich: Valeo -8%, Forvia -10%)
Mexikanischer Peso auf 3-Jahres-Tief
Ölpreise steigen
Was das für die Branche bedeutet:
Die 10% China-Zölle treffen die Industrie weniger hart, da Importe bereits reduziert wurden
Die drohenden 25% Mexiko/Kanada-Zölle wären viel schlimmer:
Zusatzkosten von etwa 3.000 USD pro Fahrzeug
US-Hersteller GM, Ford und Stellantis besonders betroffen
Aber auch deutsche Autobauer: VW mit 45% seiner US-Verkäufe aus Mexiko/Kanada
Produktionsketten könnten binnen Tagen zusammenbrechen
Mein Take: Die nächsten 30 Tage sind entscheidend. Die ersten Marktreaktionen zeigen bereits, was auf dem Spiel steht, sollten die Kanada/Mexiko Zölle tatsächlich in Kraft treten. Kurzfristig drohen Chaos in den Lieferketten und mögliche Produktionsstopps. Mittelfristig könnte dies zu massiven Produktionsverlagerungen führen. Und langfristig die globale Automobilproduktion grundlegend verändern.
⚡️ Deshalb werden Range Extender (EREVs) so gehyped
EREVs (Extended Range Electric Vehicles) sind im Grunde E-Autos, die einen Verbrennungsmotor an Bord haben. Dieser dient aber nur als Strom-Generator, um die Batterie aufzuladen. Und diese Fahrzeuge werden immer beliebter - vor allem in China:
EREV-Markt wächst in China mit 50% pro Jahr
Prognose: 3,2 Mio. Fahrzeuge bis 2030
Bereits 2024/25 über 1 Mio. Verkäufe pro Jahr in China
Technische Vorteile: 1.000 km Reichweite bei nur 25 Min Ladezeit
Kosten weniger als E-Autos, verbrauchen weniger als Plug-in-Hybride
BYD und Li Auto sind Marktführer bei EREV-Modellen
Deutsche OEMs haben bisher in China keine EREV im Angebot
CATL liefert bereits EREV-Batterien in Serie
Deutsche Zulieferer wie Mahle haben Systeme entwickelt, aber noch nicht in Großserie
In Europa erfüllen Range Extender die CO2-Grenzwerte bis 2034. Die Zulieferwertschöpfung liegt anders als bei Batterien weiter in Deutschland
Mein Take: Range Extender könnten auch in Europa die perfekte Brückentechnologie sein. VW macht es in den USA bereits vor: Der neue Scout kommt mit Range Extender und verkauft sich dort sehr gut. Auch Stellantis setzt bei seinen US-Pickups auf EREV.
📊 Chart der Woche
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🇨🇳 Warum Chinas Verbraucher nicht mehr konsumieren können
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In China bekommen die Menschen viel weniger vom wirtschaftlichen Kuchen ab als anderswo: Nur 50% des BIP landen als verfügbares Einkommen bei den Haushalten. In Deutschland sind es 77%, in Frankreich sogar 81%.
Das bedeutet: Der durchschnittliche Chinese hat einfach viel weniger Geld in der Tasche zum Ausgeben. Früher war das kein Problem - China wuchs durch Infrastrukturprojekte, Immobilien und Exporte. Doch diese Wachstumstreiber funktionieren nicht mehr.
Für deutsche Autobauer ist das besonders bitter: Ihre Premium-Modelle werden für viele Chinesen schlicht zu teuer. Die chinesische Regierung versucht zwar mit konsumfördernden Maßnahmen gegenzusteuern. Aber solange die Menschen nicht grundsätzlich mehr vom Wirtschaftswachstum abbekommen, wird sich daran wenig ändern.
🔗 BL
🌍 360° Markt-Update
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⭐️ Das Wichtigste diese Woche
Die deutsche Autoindustrie muss sparen. VW streicht 35.000 Jobs. Ein chinesischer Hersteller könnte ins Werk Osnabrück einsteigen. Gleichzeitig plant VW 9 neue E-Modelle. Darunter ein E-Auto für 20.000 Euro. Audi baut 8.000 Stellen ab. Mercedes will seine Leasing-Tochter verkaufen. Trump droht wieder mit EU-Autozöllen.
Toyota schwimmt gegen den Strom. Die westlichen Hersteller ziehen sich aus China zurück. Toyota macht das Gegenteil. Als zweiter "Ausländer" nach Tesla baut man eine eigene Fabrik. Ohne Joint Venture.
Der Preiskampf in China verschärft sich. Tesla, Xpeng und Nio starten nach dem Neujahrsfest eine massive Rabattoffensive. Mit zinsfreier Finanzierung & Preisnachlässen bis 7.400 Euro.
🇪🇺 Europa
Europäische Zulieferer unter Druck: 54.000 Jobs in 2024 verloren. Die Branche fordert 70-80% lokale Wertschöpfung nach US-Vorbild, um die 13 Mio. Auto-Arbeitsplätze in der EU zu schützen (RE)
BMW-CEO Zipse schlägt vor, EU-Autozölle von 10% auf 2,5% zu senken - als Antwort auf Trumps Zoll-Drohungen. Der Plan: US-Niveau angleichen und Handelskrieg vermeiden. Aktuell zahlen EU-Hersteller 2,5% für US-Exporte, US-Importe werden mit 10% verzollt (RE)
Outcome EU-Autogipfel: Vier Arbeitsgruppen (Clean Tech, Wertschöpfung, Innovation, Skills) sollen bis 5. März Aktionsplan zur Stärkung der europäischen Autoindustrie vorlegen. Kernthemen: CO2-Strafen, Verbrenner-Aus und Konkurrenz aus China. Das Ziel ist es, die 13 Mio. Auto-Jobs in Europa zu schützen (EU, AH)
EU prüft "Flexibilität" bei drohenden Milliardenstrafen für Autobauer. Grund: OEMs verfehlen 2025er CO2-Ziele. Problem: Das "Pooling" mit E-Auto-Herstellern würde vor allem Tesla und BYD nutzen (BL)
EU erwägt Zulassung von Plug-in-Hybriden auch nach 2035. Laut Strategiepapier prüft man "mögliche Flexibilitäten". Mercedes lobbyiert für technologieoffenen Ansatz und will PHEVs und Range Extender erlauben. Das könnte das beschlossene Verbrenner-Aus aufweichen (EL, MM)
Die britische Autoproduktion ist 2024 um 14% auf 780.000 Fahrzeuge eingebrochen. 2025 droht mit 775.000 Einheiten der niedrigste Stand seit 1954. Der Branchenverband SMMT fordert staatliche Kaufanreize für E-Autos. Die hohen Rabatte der Hersteller seien nicht mehr tragbar (BL)
Chinesische EV-Hersteller verzeichnen 2024 erstmals Rückgang in Europa: 3,5% weniger Zulassungen und nur noch 8,5% Marktanteil. Hauptgrund sind die neuen EU-Zölle (AU)
Studie zeigt: Chinesische Autobauer müssen ihre Preise in Europa um durchschnittlich 27% senken, um von Kunden als echte Alternative wahrgenommen zu werden. Haupthindernisse sind mangelndes Markenvertrauen und geringe Bekanntheit (AMW)
Stellantis beschleunigt nach dem Tavares-Aus den Konzernumbau: Regionen erhalten mehr Autonomie bei Produkt und Vertrieb, Software wird in die Technik-Entwicklung integriert. Manager wie Peugeot-Chefin Linda Jackson und Software-Chef Yves Bonnefont müssen gehen. Hintergrund: Machtkampf zwischen französischen und italienischen Interessen (AMW, WSJ, BL)
Tesla verliert in Europa: Model Y verliert 2024 den Titel als meistverkauftes Auto Europas und rutschte auf Rang 4 (-17% vs. 2023). Allerdings behält es den Titel "meistverkauftes E-Auto". Der Absatzeinbruch verschärft sich 2025 noch - im Januar -48% gegenüber Vorjahr. Gründe: Image-Probleme durch Musk, Modellwechsel und harter Wettbewerb. (EL, EL)
🇩🇪 Deutschland
Audi steckt tief in der Krise: Absatz 2024 auf 1,7 Mio. Fahrzeuge gesunken (-224k), operative Rendite nach 9 Monaten nur bei 2,5%. CEO Döllner plant Streichung von 8.000 Jobs bis 2027, Einsparungen von 5 Mrd. Euro und engere Kooperation mit Porsche. Intern wächst der Widerstand gegen seinen Kurs (MM)
VW präsentiert "größten Zukunftsplan der Geschichte": Offensive mit 9 neuen Modellen, darunter ein E-Auto für 20.000 Euro ab 2027. Der Preis für die Transformation: 35.000 Jobs fallen bis 2030 weg, Gehaltskürzungen beschlossen. Markenchef Schäfer will "Aufholen, Angreifen, Anführen" - Ziel ist die E-Auto-Führerschaft in Europa (MM)
VW konkretisiert E-Strategie: Der ID.1 kommt 2027 für 20.000€, Produktion in Spanien. Das Stammwerk Wolfsburg erhält zwei neue E-Modelle auf SSP-Plattform: Den elektrischen Golf-Nachfolger (2028) und einen E-T-Roc (2029). Geplantes Produktionsvolumen: 500.000 E-Autos pro Jahr (AMW)
Außerdem wandert die VW Golf-Produktion 2027 nach Mexiko, Werk Dresden wird geschlossen. Bis April will VW-Chef Blume alle Werksbelegungen final festlegen (AMW)
Die Gespräche zwischen VW und einem chinesischen Hersteller über die Übernahme von Produktionskapazitäten in Deutschland stehen kurz vor dem Abschluss. Wahrscheinlichstes Szenario: Eine gemeinsame Produktion im VW-Werk Osnabrück (AMW, AU)
VW vereinfacht sein Modellangebot. Laut Vertriebsvorstand Martin Sander soll die Variantenvielfalt deutlich reduziert werden. Individuelle Konfigurationen bleiben möglich, aber weniger komplex als bisher (AI)
Mercedes prüft den Verkauf seiner Leasing-Tochter Athlon. Der Konzern hat bereits potenzielle Käufer kontaktiert. Hintergrund sind sinkende Margen durch China-Schwäche und die schwierige Restwert-Prognose bei E-Autos. Weitere Details zur Strategie werden am 20. Februar erwartet (BL)
Xpeng baut Präsenz in Europa aus: Hedin wird Vertriebspartner in Deutschland und Schweiz-Importeur. Deutsches Händlernetz soll 2025 von aktuell 23 auf 60 Standorte wachsen (EL)
Deutsche Autoindustrie in Krisenstimmung: Ifo-Geschäftsklimaindex fällt im Januar auf niedrigsten Stand seit Corona (-40,7 Punkte). Besonders die Wettbewerbsposition im Ausland wird so schlecht bewertet wie nie zuvor (HB)
Kehrtwende bei Audi: Elektroautos und Verbrenner teilen sich künftig die gleichen Modellnamen. E-Versionen werden nur noch mit "e-tron"-Zusatz gekennzeichnet. Damit reagiert man auf Verwirrung bei Kunden und Händlern (AH)
Trump droht erneut mit EU-Strafzöllen und kritisiert explizit Deutschland: "Wie viele Chevrolets oder Fords sieht man in München?" Tatsächlich haben US-Hersteller es schwer: Zu große Autos, andere Sicherheitsstandards und hohe CO2-Vorgaben machen den Markteintritt kompliziert (NYT)
Deutsche Arbeitnehmer haben im EU-Vergleich höchsten Krankenstand (25 Tage/Jahr). Das verärgert jetzt Elon Musk. Er kritisiert die deutsche Arbeitskultur öffentlich. Der Krankenstand bei Tesla in Grünheide liegt bei über 15% (WSJ)
Teslas Absatz in Deutschland bricht im Januar um 59% ein. Es ist der niedrigste Stand seit Juli 2021. Grund sind wohl klar die politischen Äußerungen von Elon Musk. 80% der Deutschen lehnen seine politische Einmischung ab (BL)
🇺🇸 USA
Experten erwarten: Trump wird den US-Markt für chinesische Autobauer öffnen. Grund ist u.a. sein enger Berater Elon Musk, der wegen seiner Tesla-Fabrik in Shanghai auf gute China-Beziehungen angewiesen ist. Auch Beschränkungen für chinesische Automotive-Software könnten fallen (SN, JC)
Nissan streicht in drei US-Werken Schichten und bietet Abfindungen an. Das Ganze ist Teil eines globalen Sparkurses über 2,6 Mrd. Dollar. Hintergrund sind schwache Verkäufe in den USA und China (RE)
Der neue US-Senator und Trump-vertraute Bernie Moreno plant den "Automotive Freedom Act": Abschaffung der EV-Steuergutschriften, strengere Regeln für Batterie-Subventionen und ein einheitlicher nationaler Emissions-Standard (BL)
Ford schreibt Rekordverluste im EV-Geschäft (ca. 5 Mrd. Dollar in 2024). Der Verlust pro verkauftem EV liegt bei 35.000 $ (Q3/2024). Die neue Strategie setzt auf günstige Kleinwagen unter 30.000 $ und Hybride mit Range Extender. Die kommen allerdings erst ab 2027 (BL)
Tesla plant neue günstigere Modelle ab Mitte 2025 und will im Juni autonome Robotaxis in Austin testen. Gleichzeitig schwächelt das Kerngeschäft: In Kalifornien brachen die Verkäufe 2024 um 12% ein, beim Model 3 sogar um 36%. Der Marktanteil bei E-Autos fiel von 60% auf 52,5% (RE, BL)
Ford CEO Jim Farley kritisiert geplante US-Zölle gegen Mexiko und Kanada scharf. Diese würden US-Autobauer Milliarden kosten, während asiatische Hersteller wie Toyota und Hyundai fast zollfrei in die USA exportieren können. Ford erwägt bei dauerhaften Zöllen den Bau neuer US-Werke (AMW)
🇨🇳 China
BYD verspricht mit "God's Eye" eine neue Ära des intelligenten Fahrens - und will die Technologie "für alle verfügbar" machen. Die Börse ist begeistert: Die Aktie legt diese Woche über 20% zu. Präsentation am 10. Februar (CN, MM)
Toyota folgt Tesla als zweiter ausländischer Hersteller mit einer eigenständigen Fabrik in Shanghai (ohne Joint Venture). Ab 2027 sollen dort jährlich 100.000 Lexus-Elektrofahrzeuge produziert werden. Bemerkenswert: Während andere westliche Hersteller sich aus China zurückziehen, investiert Toyota weiter. China ist der zweitgrößte Markt für Lexus & der drittgrößte für Toyota (AU, CN, FT)
Deutsche Autobauer verlieren in China. Ihr E-Auto-Marktanteil sank 2024 auf nur noch 5% - 2023: 6,5% (HB):
VW: +17%, aber unter Gesamtmarkt (+27%)
BMW: -1%, im Q4 -20%
Mercedes: -25%
Audi: -25%
Porsche: -50%
BYD plant neue 1-Mrd.$-Fabrik in Indonesien (150k Fahrzeuge/Jahr). Der Konzern ist in >70 Ländern aktiv. Weitere Werke entstehen in Pakistan, Ungarn, Türkei und Mexiko. Letzteres könnte als Sprungbrett in die USA dienen (AB)
Tesla startet am 11.02. die Produktion in seiner Shanghai Megafactory. Das Werk soll jährlich 10.000 Megapack-Speicher produzieren - genug Energie für 50.000 Haushalte. Hauptlieferant der Batteriezellen wird CATL, BYD ist als Backup vorgesehen (CN)
Xpeng will Auslieferungen 2025 auf 380k Fahrzeuge verdoppeln. CEO He kündigt massive Investitionen an: 1,24 Mrd. € für F&E, davon 585 Mio. € für KI. Tochter Xpeng Aeroht plant Marktstart des "Land Carrier" Flugautos für 2026. Bis 2034 soll die Hälfte der Verkäufe aus dem Ausland kommen (CN)
Xpeng will in der zweiten Jahreshälfte als erster Hersteller L3-Autonomie in allen Szenarien anbieten. CEO He vergleicht den Meilenstein mit dem "iPhone 4 Moment" für KI-Autos. Schon 2024 war autonomes Fahren der Hauptkaufgrund für den P7+. He: "KI wird die globale Auto-Hardware und -Software revolutionieren" (CN)
Tesla gibt 1.040€ Versicherungsrabatt auf Model 3. Zusätzlich 5 Jahre zinsfreie Finanzierung mit Monatsrate ab 320€
XPeng kontert mit Null-Anzahlung und 5 Jahren zinsfreier Finanzierung. Kundenersparnis bis zu 7.410€
Nio bietet 5 Jahre zinsfreie Finanzierung ab 20% Anzahlung plus Gratis-Batteriewechsel. Kunden sparen rund 3.900€
Timing ist kein Zufall: Aktionen starten direkt nach chinesischem Neujahr in der traditionellen Absatzschwäche
🇮🇳 Indien
VW verklagt den indischen Staat wegen einer Steuerforderung von 1,4 Mrd. USD. Die Behörden werfen dem Konzern vor, seit 2012 Importzölle durch falsche Einstufung von Fahrzeugteilen systematisch umgangen zu haben. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. Mit Strafen könnte sich die Summe auf 2,8 Mrd. USD verdoppeln (HB)
Tata Motors erwartet Nachfrageschub in Indien ab April durch Steuersenkungen von 11,5 Mrd. USD für die Mittelschicht (BL)
🇯🇵 Japan
Toyota-Chairman Akio Toyoda baut mit "Woven City" eine experimentelle Smart City für 2.000 Menschen. Seine Vision: Ein japanisches Silicon Valley. Die "Weavers" genannten Bewohner sollen neue Technologien entwickeln - von autonomem Fahren bis zu smarter Infrastruktur (AM)
Japanisches Gericht bestätigt Urteil im Nissan-Skandal: Ex-Direktor Greg Kelly half Ex-CEO Carlos Ghosn dabei, Millionen an Vergütung zu verschleiern. Kelly bekommt Bewährung, während Ghosn sich durch Flucht nach Libanon der Justiz entzog. Seine Anwälte kündigen weitere Berufung an (BL)
Toyota erhöht trotz schwachem Quartal (-28%) die Prognose für das Geschäftsjahr 2024/25 auf 31 Mrd. USD. Der Konzern bleibt mit 10,8 Mio. verkauften Autos (davon 4,2 Mio. Hybride) Weltmarktführer. Zum Vergleich: BYD verkaufte 4,3 Mio. Autos, davon 1,8 Mio. EVs - Toyota nur 140.000 E-Autos (BL)
🌍 Global Markets
Lexus meldet Rekordjahr 2024: 851.214 verkaufte Einheiten bedeuten ein Plus von 103%. Erstmals machen E-Modelle über die Hälfte des Absatzes aus (52%). Stärkster Markt bleibt Nordamerika mit 379.589 Einheiten (+106,7%). China stagniert mit 181.906 Fahrzeugen auf Vorjahresniveau (+0,3%) (AU)
Ferrari mit Rekordzahlen: Gewinn +21% auf 1,58 Mrd. EUR in 2024, Umsatz +12%. Für 2025 erwartet der Luxus-Autobauer weitere 5% Wachstum. Im Oktober launcht Ferrari sein erstes E-Auto. In China brach der Absatz btw trotzdem um 21% ein (CNBC, FT)
Toyota bleibt 2024 trotz leichtem Absatzrückgang (-3,7%) mit 10,8 Mio. verkauften Fahrzeugen zum fünften Mal in Folge weltgrößter Autohersteller (VW auf Platz 2 mit 9 Mio.). Die Hybrid-Strategie zahlt sich aus: 40,8% aller Verkäufe sind Hybride, während reine E-Autos nur 1,4% ausmachen. (RE, BL)
📦 Zulieferer
Nach Gewinneinbruch 2024 (-33%) droht bei Bosch weiterer Stellenabbau. Der Konzern will 2026 wieder 7% Rendite erreichen. Selbst zukunftsträchtige Bereiche wie autonomes Fahren sind betroffen. 2024 wurden bereits 11.500 Stellen abgebaut (-3%) (AMW)
Bosch geht von dauerhaft schwierigem Marktumfeld aus: Der Konzern plant bis 2032 den Abbau von über 12.000 Stellen weltweit. Gleichzeitig investiert man Milliarden in die Transformation - trotz aktueller Flaute in allen Geschäftsbereichen. CEO Hartung: "E-Mobilität und Wasserstoff bleiben Wachstumsgeschäfte" (CIO)
Deutschlands Rüstungsindustrie profitiert vom Stellenabbau der Autozulieferer: Hensoldt will je 100 Mitarbeiter von Continental (Wetzlar) und Bosch (Stuttgart) übernehmen. Bereits 2024 wechselten hunderte Continental-Ingenieure zu Rheinmetall. Während die Verteidigungsbranche boomt (Hensoldt: 6,5 Mrd. EUR Auftragsbestand), kämpfen Automotive-Supplier mit schwacher Nachfrage (FT, BL)
💻 Software & Tech
Volvo führt zwei Updates ein: Die neue Benutzeroberfläche "Car UX" und Qualcomms "Snapdragon Cockpit Platform" für Infotainment, KI und vernetzte Dienste. Updates erreichen per OTA 2,5 Mio. Fahrzeuge bis Baujahr 2020. Das System soll damit doppelt so schnell werden (ER)
KI-Startup UVeye sammelt 191 Mio. USD ein: Wie ein MRT fürs Auto scannt das System in Sekunden Unterboden, Karosserie und Motor. Die KI erkennt defekte besser als Menschen - mit 96% Trefferquote (vs. 24% bei manueller Inspektion). Investor Toyota steigt ein, Amazon nutzt die Scanner bereits für seine Lieferflotte. Expansion nach Europa und Japan (2026) geplant (RE)
VW folgt BMW und setzt auf Dassault Systèmes: Die 3D-Experience-Plattform wird bei VW, Audi und Porsche zum zentralen Entwicklungstool. Mit KI-gestützten "Digitalen Zwillingen" entstehen neue Modelle komplett virtuell - von Design bis Produktion. Das soll Entwicklungszeiten verkürzen und IT-Kosten senken (AIT, AMW)
Während Autobauer stark auf KI-Sprachassistenten im Auto setzen besagt eine Studie: Nur 18% der Verbraucher interessieren sich dafür (IE)
🧠 MHP-Analyse zeigt 3 Gruppen bei KI-Strategien (AF)
AI Innovators wie XPeng, NIO und Li Auto:
Investieren bis zu 50% der F&E in KI
Entwickeln eigene KI-Chips, LLMs und Betriebssysteme
KI durchdringt alle Bereiche: Von Fahrassistenz bis Cockpit-Software
Fast Follower starten massive Aufholprogramme:
BYD: Über 13 Mrd. $ Investment in KI und intelligente Tech
Toyota: 3,3 Mrd. $ für KI-Plattform bis 2030
Hyundai: Entwickelt mit Samsung eigene KI-Lösungen
Nachzügler ohne klare KI-Strategie:
Deutsche OEMs, GM und Ford
Nur einzelne, teure Pilotprojekte ohne Gesamtstrategie
Gefahr wie bei Batterien den Anschluss zu verlieren
🚖 Autonomes Fahren
Uber meldet Rekordzahlen für Q4/24 und forciert seine Robotaxi-Strategie: In Austin startet die Kooperation mit Waymo, während Tesla dort ab Juni seine Cybercabs testet. CEO Khosrowshahi sieht im autonomen Fahren ein Marktpotential von über 1 Bio. USD. Seine Prognose: Mindestens 10 Jahre werden Robotaxis und menschliche Fahrer noch parallel existieren (FT)
Robotaxis vor dem Durchbruch? McKinsey sieht zwei starke Treiber: Technologiekosten sollen um 80% fallen, während Autobesitz durch steigende Versicherungen (+18% in 2024) immer teurer wird. Für 50% der Großstädter rechne sich ein eigenes Auto schon heute nicht mehr. ADAS-Unternehmen profitieren: Ihr Marktwert stieg allein von 2023 auf 2024 um +169% (WA)
KI-Startup Waabi und Volvo entwickeln autonome Trucks: Die von Uber und Nvidia unterstützte Firma trainiert ihre Systeme fast komplett in der virtuellen Welt "Waabi World". Anders als Tesla, das Millionen realer Fahrsituationen analysiert. Erste kommerzielle Tests mit Uber Freight in Texas bereits gestartet (RE)
GM setzt auf Fahrassistenz: Das Super Cruise System (ähnlich Tesla Autopilot) ist bereits in 360.000 Fahrzeugen verbaut - Tendenz steigend. Das Geschäftsmodell funktioniert: 20% der Nutzer zahlen nach der kostenlosen Testphase 25 USD pro Monat. GM erwartet damit 2 Mrd. USD Jahresumsatz bis 2030 (RE, TC)
Consumer Reports testet Fahrassistenzsysteme: Tesla landet nur auf Platz 8, hinter Mercedes, BMW und sogar Massenherstellern wie Toyota. Überraschend: Das System sei "längst nicht so gut wie man denkt". Testsieger sind Ford und GM - dank besserer Fahrer-Überwachung (CNBC)
⚡️ E-Mobility
Scania springt kriselndem Northvolt zur Seite: Der Lkw-Bauer schickt eigene Mitarbeiter ins schwedische Werk, um Qualität und Output zu steigern. Die Batteriefirma braucht 1,29 Mrd. $ frisches Kapital - die aktuellen Mittel reichen nur noch wenige Wochen (RE)
Northvolt verliert Joint Venture: Volvo übernimmt die gemeinsame Batterietochter Novo Energy komplett. Geplant ist aber eine neue Zusammenarbeit in Nordamerika. Das deutsche Werk in Heide bleibt vom US-Insolvenzverfahren unberührt und soll 2027 starten (AI, EL)
ZF setzt verstärkt auf Range Extender. Die Technologie ist laut Vorstand Holdmann effizienter als PHEVs und könnte auch in USA und Europa E-Auto-Skeptiker überzeugen. Erste Details zu neuen Projekten will ZF auf der Auto Shanghai vorstellen (AI)
Stellantis entwickelt mit Zeta Energy Lithium-Schwefel-Batterien. Die sollen bis 2030 50% günstiger sein, 50% schneller laden und deutlich leichter werden als aktuelle Akkus. Parallel investiert man 3,4 Mrd. € in eine CATL-Batteriefabrik in Spanien (AC)
🏪 Handel & Vertrieb
MH: Übergang zu digitalem Autoverkauf ist “unumkehrbar”. Deutsche Hersteller kämpfen aber mit Defiziten in Online-Experience - überladene Websites, fehlerhafte Tools, komplizierte Navigation (AM)
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Bis nächste Woche,
— Philipp
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